Stellungnahme zum RNZ-Artikel:

Am 27. Mai erschien in der Rhein-Neckar-Zeitung ein Artikel mit dem Titel "Fairtrade kann am Lohn auf Plantagen nichts ändern”, in dem der Eindruck erweckt wird, für PlantagenarbeiterInnen sei es egal ob sie auf einer normalen oder einer Fair Trade zertifizierten Plantage arbeiten würden. Hierzu haben wir eine Stellungnahme verfasst.

Bild: GEPA

In dem Artikel wird der Eindruck vermittelt, Arbeiterinnen auf Fairtrade-zertifizierten Plantagen in Darjeeling / Indien würden nicht vom Fairen Handel profitieren. “Wenn jemand mehr verdient, dann der Plantagenbetreiber”, so wird die Umwelt-Ethnologin Sarah Besky zitiert.

Mit solchen Artikeln wird der Faire Handel insgesamt diskreditiert. Alles Schwindel, das ist die Botschaft. Obwohl Frau Besky Wissenschaftlerin ist, werden Pauschalurteile abgegeben.

Hier hätten wir uns eine differenziertere Darstellung gewünscht. Anders als konventionelle Mitbewerber, die nur zu einem geringen Anteil Fair Trade-Produkte anbieten, haben sich Fair-Handelshäuser und Weltläden ausschließlich dem Fairen Handel verschrieben. Fair-Handelsunternehmen wie die GEPA gehen dabei oft über Fairtrade-Standards hinaus.

Es ist richtig: Im Segment des Siegels wird zunehmend über Skandale berichtet. Zum Beispiel musste Fairtrade Deutschland die Zusammenarbeit mit einer indischen Teeplantage aussetzen, weil ihr vorgeworfen worden ist, Fairtrade-Prämien veruntreut zu haben und Pestizid-verseuchten Tee in den Handel gebracht zu haben.

Doch, was ist anders bei den Fair-Handelshäusern und den Weltläden? Hier gibt es in Darjeeling vor allem einen Partner: Tea Promoters India (TPI). TPI hat 1990 den von seinen Vorbesitzern verlassenen Teegarten Samabeong in einem desolaten Zustand übernommen. Gemeinsam mit der GEPA und Naturland stellte TPI mit Samabeong den ersten Teegarten in Darjeeling auf Bioanbau um. Heute hat der Samabeong Modellcharakter. TPI setzt weltweit Maßstäbe für fairen und ökologischen Teehandel.

Auch auf Samabeong ist das Teepflücken harte Arbeit und die Pflückerinnen erhalten auch dort den staatlich festgelegten Lohn, der zuvor mit den Gewerkschaften ausgehandelt worden ist. Hier gibt es also eine Art „Tarifautonomie“. Allerdings zahlt TPI den Pflückerinnen eine Prämie für jedes zusätzlich gepflückte Pfund Teeblätter, das über den Durchschnittswert von vier Kilogramm täglich hinausgeht.  Besonders wichtig ist, dass die Pflückerinnen nicht nur während der Erntezeit bezahlt werden, sondern ganzjährig angestellt sind. Darüber hinaus kümmert sich TPI um die Häuser der Arbeiter und übernimmt alle Reparaturkosten. TPI zahlt in einen Rentenfonds für jeden Teearbeiter bzw. jede Teepflückerin ein. Eine ausgebildete Krankenschwester kümmert sich um die Menschen vor Ort. Falls nötig, organisiert sie weitere Behandlungen in der Stadt. Trinkwasser ist kostenlos, ebenfalls Grundnahrungsmittel wie Reis, Mehl, Zucker und natürlich Tee. TPI stellt den Familien Land zur Verfügung, wo sie Gemüse anbauen können und Viehzucht betreiben. 

Die GEPA geht auch bei der Prämienzahlung über Fairtrade-Standards hinaus: Sie zahlt TPI für alle Blattgrade einen Euro pro Kilogramm, natürlich unter Berücksichtigung des aktuellen Wechselkurses. Bei einem schlechteren Wechselkurs im Verhältnis zum US-Dollar gilt für alle Blattgrade 1,10 US-Dollar pro Kilogramm. Nach Fairtrade-Kriterien müssen dagegen für Fannings (kleinste Blattteilchen für Teebeutel) nur 0,50 US-Dollar gezahlt werden.

Die Arbeiter von TPI wählen ihre Mitarbeitervertretung. Die Vertreterinnen und Vertreter entscheiden, wofür dieses Geld eingesetzt wird. Diese Gemeinschaftsprojekte haben das Leben der Menschen in Samabeong in den letzten 25 Jahren grundlegend verändert.

Auf Samabeong steht jetzt statt einer ehemals kleinen Grundschule eine „High School“. 350 Kinder von Arbeitern lernen zurzeit an der Schule und haben die Aussicht, nach ihrem Abschluss aufs College zu gehen. Viele weitere Projekte erleichtern den Bewohnern den Alltag: Ein Gemeinschaftszentrum, Straßen, Brücken, Wasserleitungen und Filter, Solarstromanlagen, aber auch Altersvorsorge-Fonds. 

Der Teegarten Samabeong ist ein Beispiel, wie der Faire Handel der Weltläden die Lebensbedingungen vom Menschen im Süden nachhaltig verbessert.

Klaus Gottermeier

(Geschäftsführer effata Weltladen)