Fairer Handel – gelebte Solidarität mit den Menschen im globalen Süden

Die Fair-Handelsbewegung in Deutschland wird jetzt 50 Jahre alt. Und kaum ein politisches Arbeitsfeld ist so eng mit den Sustainable Development Goals verbunden wie der Faire Handel. Die UN-Nachhaltigkeitsziele greifen viele der Prinzipien und Forderungen auf, die der Faire Handel schon seit rund 50 Jahren lebt.

In den 70er-Jahren gingen weltweit und in Deutschland rund 30.000 Jugendliche auf die Straße und demonstrierten in sog. Hungermärschen für mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel und gegen Ausbeutung von Menschen im globalen Süden.

Das war die Geburtsstunde des Fairen Handels. Heute profitieren 2,5 Millionen KleinbäuerInnen und Kunsthandwerker sowie deren Familien vom Fairen Handel (SDG 10). 

Die Handelspartnerschaften basieren gemäß der Internationalen Charta des Fairen Handels (2018) auf Transparenz, Dialog und Respekt. ProduzentInnen sowie ArbeiterInnen sollen unter besseren Bedingungen leben, arbeiten und sich weiterentwickeln können (SDG 1; SDG 4; SDG 8).

Parallel dazu will der Faire Handel KonsumentInnen über unfaire Produktionsbedingungen aufklären und für verantwortungsvollen Konsum sensibilisieren. Der Faire Handel garantiert ErzeugerInnen viele Vorteile: Sie erhalten für Rohstoffe wie Kakao, Kaffee, Zucker oder Bananen einen garantierten Mindestpreis. Für ökologisch erzeugte Produkte gibt es einen Biozuschlag. Außerdem erhalten die Produzentenorganisationen eine Fair-Handelsprämie. Was mit diesem Geld passiert, können sie selbst entscheiden. Viele nutzen die Prämie, um neue Maschinen anzuschaffen, Schulen oder Gesundheitsstationen aufzubauen oder stellen ihren Anbau auf Ökolandbau um. Darüber hinaus unterstützt der Faire Handel BäuerInnen dabei, sich zu organisieren und selbst aktiv zu werden (SDG 17).

Der Faire Handel hat auch immer wieder wichtige Impulse gesetzt. Bereits 1978 hat die Aktion „Jute statt Plastik“ auf den unkontrollierten Verbrauch von Rohstoffen hingewiesen, der jährlich zu Millionen Tonnen von Plastikmüll führt. 1987 brachte die GEPA weltweit den ersten Bio-Tee auf den Markt.

Die philippinische Fair-Handelsorganisation Preda prangert Sextourismus als Ausdruck imperialer Lebensart an und schafft Perspektiven für misshandelte Jungen und Mädchen. Mit dem Segelkaffee, der mit einem Lastensegler von Nicaragua nach Deutschland transportiert wird, wird auf die immense Verschmutzung durch die Seeschifffahrt hingewiesen. 

Ob bei Soppexcca in Nicaragua oder bei Tea Promoters India sind Frauen Geschäftsführerinnen ihrer Kooperative. Damit leistet der Faire Handel einen wichtigen Beitrag zur Gender-Gerechtigkeit (SDG 5)

Fairer Handel ist gelebte Solidarität mit den Menschen im globalen Süden. Ein Ausdruck dieser Solidarität sind auch rund 500.000,- Euro, die die Weltläden mit der #Fairwertsteuer an Handelspartner spendeten, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. Weltläden sind Lernorte des Fairen Handels. Dort können KundInnen sich informieren, austauschen und fair gehandelte Produkte erwerben und Weltläden bieten auch vielfältige Möglichkeiten zum Engagement

Beitrag für die SDG-Zeitung des Eine-Welt-Zentrums Heidelberg